Seifenoper?
Thema:
Eine spannende Geschichte über einen
typischen Fernsehabend
Flatscreen TV Heim

„Schatz, kommst Du?“

Meine Frau Rita wartet schon im Wohnzimmer. Heute steht mal wieder ein Fernsehabend auf dem Programm. Eigentlich liebe ich diese gemütlichen Stunden zu zweit vor der Flimmerkiste, aber heute habe ich so eine Vorahnung … Na ja, wir werden sehen. Ich schütte die Kartoffelchips in die große Holzschale, die Rita so gern mag, schnappe mir noch ein Bier aus dem Kühlschrank und los geht’s.  

„Da bist du ja endlich! Oh, Chips, lecker!“ Rita greift beherzt in die Schüssel, ich öffne meine Bierflasche. Alles wäre gut, wenn da nicht:

„Du, ich gucke nur noch das Kapitel meiner Seifenoper zu Ende, ja? Das ist gerade so spannend.“

Ich hab’s gewusst. Eigentlich hatten wir uns einen Filmklassiker ausgesucht, der jetzt auch auf unserem Streamingdienst abrufbar ist. Aber stattdessen: Seifenoper, na toll!

„Klar, mein Engel, kein Problem. Wie lange läuft die Episode denn noch?“

„Ach, nur 20 Minuten.“

20 Minuten? Oh Gott! Aber was kann ich tun? „Natürlich, mein Engel, keine Sache.“ Na ja, das Bier schmeckt wenigstens.

Auf dem Bildschirm spielen sich die üblichen Szenen ab: Karla umarmt Oliver, säuselt: ‚Ich habe dich immer geliebt, das weißt du doch.‘ Oliver säuselt zurück: ‚Und ich habe dich auch immer geliebt.‘ Ich habe das Gefühl, die Szene dauert eine Ewigkeit.

Hey, was ist das? Karla hält Oliver eine Pistole an die Schläfe und schreit ihn an: ‚Wo ist die Formel? Raus damit!‘ Wow, damit hätte ich jetzt nicht gerechnet. Oliver zieht vorsichtig ein Stück Papier aus der Innentasche seines Jacketts, aber als Karla zugreifen will, schlägt er ihr mit einem gekonnten Trick die Waffe aus der Hand. Jetzt wird’s tatsächlich spannend.

Die beiden beginnen eine handfeste Prügelei. Die Fäuste und Füße fliegen. Aber jetzt Karla stürzt über ein Sofa. Oliver ergreift die Flucht. Wow, ich wusste gar nicht, dass solche Seifenopern gedreht werden.

Oliver zerrt an einer Ampel den erstbesten Fahrer aus seinem Auto, setzt sich selbst hinters Steuer und brettert ohne Rücksicht über Rot. Reifen quietschen, Karossen scheppern: Eine wilde Autoverfolgungsjagd beginnt, denn Karla ist inzwischen auf einem Motorrad hinter Oliver her. Es wird immer besser!

Massenhaft werden Autos geschrottet. Oliver fährt wie der Teufel. Aber jetzt verliert er die Kontrolle über den Wagen und schleudert und schleudert und schleudert … Er wickelt das Auto um einen Baum. Blutend steigt er aus dem Wrack und rennt in ein leerstehendes Gebäude, gleich in der Nähe. Aber da wartet schon Karlas Gang auf ihn. Oliver sieht sich einer Meute aus Rockern gegenüber, die schon Knüppel und Eisenstangen schwingen. Wie wird er da wohl wieder rauskommen. Mann, ist das spannend. Ich bin schweißgebadet. Mein T-Shirt ist komplett nass.

Jetzt taucht Karla auf. Mit vorgehaltener Waffe geht sie langsam auf Oliver zu und spannt den Hahn. Doch da stürmt die Polizei mit einer Hundestaffel herein. Einer der großen Schäferhunde, rennt auf Karla zu und sagt: ‚Stehenbleiben, Ihr seid alle verhaftet!‘

He? Irgendetwas stimmt nicht. Karla antwortet: ‚Miau!‘, und der Polizeihund nimmt Reißaus. He?

Jemand rüttelt an meiner Schulter: „Schatz, du bist wieder eingeschlafen. Und sieh dir das mal an: Du hast das Bier über dein ganzes T-Shirt geschüttet.“

„Oh Mist! Bitte entschuldige, mein Engel.“

Ich will aufstehen und mich umziehen, doch auf einmal fühle ich etwas hartes an meiner Schläfe und höre ein seltsames Klicken, gefolgt von Ritas eiskalter Stimme: „Wo ist die Formel?“