Sci-Fi
Thema:
Science-Fiction

Nacht. Langsam und geräuschlos nährte sich das Raumschiff der Erdoberfläche. Die Waldlichtung mit dem Holzhaus, das zwischen den hohen Bäumen platzgenommen hatte, merkte nichts vom heranfliegenden, scheibenförmigen Objekt, das sich kurz darauf bereits nur etwa 20 Meter über dem Erdboden befand.

Tom saß, wie jeden Abend, an seinem Computer und versuchte, sein neues Buch fertig zu schreiben. Es fehlten nur noch wenige Kapitel und so hatte er sich hierher, in sein kleines Refugium mitten im Nirgendwo, zurückgezogen. Hier war er allein. Es gab kein Geräusch, außer dem wohltuenden Knistern des Kaminfeuers und dem gelegentlichen Ruf des Waldkauzes, der ganz in der Nähe des kleinen Holzhauses sein Nest ausgeschlagen hatte. Alles war friedlich, bis es plötzlich an der Tür klopfte.

Tom zog die Augenbrauen zusammen: „Hannah, bis Du’s? Ich dachte Du würdest erst morgen kommen.“

Keine Antwort. Stattdessen klopfte es erneut.

Tom stand mit einem Seufzer auf und ging mit schlaksenden Pantoffeln in Richtung Tür. Doch als er öffnete, jagte ein Eisschauer durch seinen Körper, vom Kopf bis hinunter in die Zehenspitzen: Vor der Tür stand tatsächlich ein Alien: klein, hager, mit großem Kopf und grün leuchtenden Augen.

„Hallo Tom!“, sagte das Alien.

„Hallo Du … Alien.“, stammelte Tom, starr vor Angst.

„Du hast uns enttarnt und unsere Pläne verraten. Das geht nicht!“ 

„Wie bitte?“ Tom traute seinen Augen und Ohren nicht.

„Na hier steht’s doch!“ Das Alien zog eine Art kleinen Tablet-Computer aus der Fronttasche seines Pilotenanzugs: „Du hast geschrieben: ‚Die Außerirdischen wählten einen Platz im ewigen Eis der Antarktis, um zu landen und ihr Basislager zu errichten.‘ Sorry, aber das kannst Du nicht veröffentlichen, sonst fangen wir wieder von vorne an, uns einen geeigneten Landeplatz zu suchen.“

„Aber das habe ich doch erst heute Morgen, am Ende des letzten Kapitels geschrieben. Wie könnt Ihr das wissen?“

Das Alien schob sich an Tom vorbei und stolzierte in den Raum hinein: „Wie wir das wissen können? Mann, Du bist lebst ja wirklich hinterm Mond. Hast Du schon mal was von Netzwerken und sozialen Medien gehört? Selbst für einen Menschen bist Du ziemlich begriffsstutzig.“

„Jetzt reichts aber langsam. Wer hat eigentlich …“

Das Alien schnitt Tom rücksichtslos das Wort ab: „Deinen Computer müssen wir konfiszieren.“

„Hey, das ist MEIN Computer. Außerdem habe ich alles auf einem Cloud-Server gesichert.“

„Den haben wir gerade eliminiert.“ Das Alien grinste.

„Ach Käse, verarscht mich nicht.“

„Ach ja? Dann versuch mal was abzuspeichern!“

Tom ging zu seinem Computer und drückte auf „Sichern“, aber auf dem Bildschirm erschien nur eine Fehlermeldung: „Server nicht gefunden.“

„Siehst Du! Und jetzt tritt mal einen Schritt zur Seite!“

Tom gehorchte wortlos, ohne es eigentlich zu wollen.

Das Alien zog ein kleines Kommunikationsgerät aus der Tasche und sprach hinein: „OK Jungs, rauf mit dem Computer.“, und Tom musste beobachten, wie sich sein geliebter Laptop vor seinen Augen buchstäblich in Luft auflöste.

„Nichts für ungut, Tom. Schreib doch einfach eine neue Geschichte. So schlecht bist Du gar nicht!“ Das Alien klopfte dem wie gelähmt dastehenden Tom auf die Schulter und ging durch die Tür hinaus.

Aber eine Minute später fand Tom wieder zurück in die Realität und rannte dem Alien hinterher, hinaus auf die Waldlichtung. Aber er sah nur noch, wie sich das riesige Raumschiff langsam zwischen den Bäumen emporhob und mit ihm sein Computer und all die Arbeit der letzten Monate.

„Ihr habt vielleicht mein Buch gestohlen, aber meine Gedanken sind immer noch in meinem Kopf. Ich schreibe alles einfach nochmal auf!“, rief Tom gen Himmel und reckte kämpferisch seine geballte Faust empor. Dann sah er sich um: Er war wieder allein. Nur der Waldkauz, oben auf einem Ast der hohen Buche, sah ihn mit großen Augen an. Tom durchstreifte mit seinem Blick jedoch weiter die Lichtung: „Wo bin ich hier?“