Krank
Thema:
Eine Geschichte über einen kranken Menschen

„Seit fast 8 Stunden kein Funkkontakt mehr. Glaubst Du, die haben uns abgeschrieben?“

„Hast Du die Kommunikation gecheckt?“

„Natürlich, schon fünfmal. Ist alles in Ordnung. Die senden nichts, das ist das Problem.“

„Wann hast Du das letzte Mal versucht, Kontakt aufzunehmen?“

„Vor 15 Minuten.“

Frank erwiderte nichts. Sein Gesichtsausdruck leerte sich, während seine Augen den Blick aus einem der schmalen Bordfenster suchten.

„Wie geht’s Dir, Frank?“, fragte Jeffrey mit leiser Stimme.

„Meine Füße spüre ich kaum noch und diese roten Pusteln sind inzwischen schon an den Hüften angekommen. Es brennt wie die Hölle.“ Frank hielt seinen Blick weiter auf die Sterne gerichtet, die wie winzige Edelsteine in der dunklen Unendlichkeit des Weltalls funkelten.

„Ich kann mir immer noch nicht erklären, wie es passieren kann, dass wir beide von einer mysteriösen Krankheit befallen werden, nach all den Medizinchecks und mehreren Wochen Quarantäne.“

„Du weißt, was ich denke: Es war Sabotage. Jemand hat uns absichtlich infiziert.“ Frank klang teilnahmslos, ja fast schon gelangweilt.

„Aber wie? Und die Frage wäre auch wer und warum?“

„Ach Jeffery, das weißt Du doch: Stell Dir vor: ‚Frank Kuslowski und Jeffrey Timber, die ersten Menschen auf dem Mars!‘ Da gibt’s genug Neider und andere Nationen, die sich gern aufs Siegerpodest stellen möchten.“

„Und die Funkstille? Ist das auch Sabotage?“

„Keine Ahnung. Wahrscheinlich haben die uns wirklich abgeschrieben. Wir werden sterben und in zwei Wochen wird unsere Kapsel ungebremst auf dem Mars einschlagen oder für lange Zeit führerlos durch All treiben.“

Jeffrey antwortete nicht. Er kontrollierte aufs Neue die Kommunikationsmodule, aber alle Anzeigen standen auf ‚OK‘.

„Wie geht’s bei Dir inzwischen?“ Frank schaffte es nun doch, seinen Blick von den Sternen zu lösen und seinen Kollegen anzusehen: Jeffreys Gesicht war geschwollen und rot. Der Schweiß stand ihm auf der Stirn und sein Körper wurde in regelmäßigen Abständen von Krämpfen durchgeschüttelt.

Aber trotz allem klang Jefferys Stimme kämpferisch und entschlossen: „Ist doch egal. Ich gebe nicht auf. Wir brauchen praktisch keine Unterstützung, um auf dem Mars zu landen. Wir können das alles problemlos von hier aus steuern.“

„Es sind noch zwei Wochen bis zur Landung.“

„Und genau diese zwei Wochen werde ich noch durchhalten, und Du auch. Wir werden landen und wir werden Helden sein. Und ja, wir senden ein verdammtes Foto zur Erde, egal ob uns jemand noch empfängt oder nicht. Was danach kommt, liegt in Gottes Händen.“

Frank atmete tief durch und richtete seinen Blick wieder aus dem Bordfenster: „Und die anderen Systeme? Wie ist der Status?“

„Alles funktioniert einwandfrei. Nur wir beide laufen auf Notbetrieb.“

Frank begann erneut zu grübeln. Er spielte wieder und wieder alle Szenarien in seinen Gedanken durch: das jahrelange Training, die vielen Tests, die Quarantäne. Wie konnte das nur passieren? Je länger er nachdachte, desto sicherer war er sich, dass alles perfekt abgelaufen war und dass es eigentlich keine Möglichkeit einer absichtlichen Infektion hätte geben können. Aber mehr und mehr er auch überzeugt, dass er unzählige Möglichkeiten übersehen hatte. Seine Augen verloren inzwischen den Fokus und das Funkeln der Sterne verschwamm zu einem undefinierten Lichterbrei.

Doch plötzlich wandte er sich zu Jeffrey zu: „OK! Lass und landen und das verdammte Foto zur Erde schicken. Und wehe denen, wenn die uns nicht mehr zuhören!“