Hunger
Thema:
Eine Geschichte aus der Sicht eines Tieres

Hunger! Mann, habe ich einen Hunger. In der Gegend hier gibt es zwar viele kleine Gärten, einen großen Garagenhof und jede Menge Unterholz und so etwas, aber ich habe hier noch niemals auch nur eine Maus gesehen. Wahrscheinlich gibt es hier die eine oder andere Eule, die in einem der großen Bäume wohnt. Oder die anderen Katzen, die hier in der Nachbarschaft leben, haben schon alles weggefangen.

Aber warte mal … Da vorn wohnt doch dieser Schriftsteller, der immer im Garten an seinem Laptop sitzt und schreibt. Der hat bestimmt etwas Essbares. Schnell über den Nachbarhof, über die kleine Mauer springen, die mag ja Diebe fernhalten, aber für eine halbwegs fitte Katze ist die wirklich kein Problem, und schon bin ich da.

An das Futter kommt man eigentlich ganz einfach: Erstmal eine niedliche, aber auch ein wenig traurige Miene aufsetzen, herzzerreißend miauen und der Zielperson um die Beine streichen. Aha, es wirkt: Wie immer werde ich ein wenig gestreichelt. Das ist ja nett, aber ich habe nun mal Hunger. Vielleicht hilft etwas zusätzliches Schnurren … Ja, perfekt: Er geht ins Haus und kommt mit einer Schale Katzenfutter zurück!

Mmmm, lecker. Ich denke, er hat das Futter nur für mich gekauft, weil ich ja ab und zu mal hier vorbeischaue, denn er selbst hat gar keine Haustiere, glaube ich zumindest. Aber egal: Mir schmeckt‘s!

Fertig! Ich bin satt. Aber was macht dieser verrückte Schreiberling denn jetzt? Er geht wieder ins Haus. Holt der etwa noch mehr Futter? Nein, er kommt mit einem Buch zurück und stellt es auf den Gartentisch. Meint er etwa, ich soll probelesen? Für so eine kleine Schüssel mit Katzenfutter aus dem Supermarkt? So weit kommt’s noch! Aber ich kann ja auch gar nicht lesen, also wird es das schon mal nicht sein.

Er klopft mit der Hand auf den Tisch: Ich soll mich wohl neben das Buch legen, für ein Foto! Er will wohl mit mir Werbung für seinen Roman machen. Na gut, wenn er meint, dass das hilft. Dann bekomme ich das nächste Mal bestimmt wieder etwas zu beißen.

Knips! Danke! Ein ‚Miau‘ zum Abschied und bis zum nächsten Mal. Jetzt schaue ich erstmal, was der Nachbar so Feines hat!