Es Piept!
Thema:
Eine kurze Geschichte aus der Sicht eines Tieres
Vogelhaus

„Hallo Schatz!“

„Hallo! Flieg doch nächstes Mal ein wenig langsamer an, dann erschrecke ich mich nicht so.“

„Na gut. Machst du eine Pause beim Brüten?“

„Ja, Ja. Die Eier sind warm und die Sonne scheint. Alles gut!“

„Super. Oh, sieh mal: Der alte Maier ist wieder in seinem Garten.“

„Ich beobachte ihn schon die ganze Zeit. Siehst du den Baum von seinem Nachbarn? Zittmann heißt er glaube ich.“

„Der blöde Amselhasser, der uns immer verjagt, trotzdem sein Rasen von saftigen Würmern nur so wimmelt?“

„Ja, genau der. Sein Apfelbaum steht genau am Zaun. Und ein Ast ragt rüber in den Garten vom Maier.“

„Ich weiß. Aber hatte er den nicht zurückgebogen und festgebunden?“

„Klar. Aber ich bin hingeflogen und habe den Knoten aufgemacht. Lustig oder?“

„Ha ha, ich würde fast singen, wenn ich nicht so lachen müsste. Aber sieh mal! Was macht denn der Maier da? Der hat eine Säge geholt. Der wird doch nicht?“

„Oh Gott, hätte ich das gewusst, hätte ich den Knoten nicht aufgemacht.“

„Und weg ist der Ast. Was kann denn der Baum dafür? So ein Idiot.“

„Wow, da kommt der Zittmann. Jetzt geht’s los!“

„Der bewirft den Maier mit Ästen! Ist das legal?“

„Nein, aber der Maier wirft zurück. Menschen sind einfach wahnsinnig. Ein Glück, dass wir Amseln sind.“

„Ja. Wenn unsere Küken schlüpfen, zeige ich denen die beiden Vollpfosten da unten, als abschreckendes Beispiel.“

„Oh Gott, der Zittmann hat Eier aus dem Kühlschrank geholt und wirft damit. Jetzt geht’s zu weit! Du musst was tun, Schatz. Ich muss weiterbrüten!“

„Das werde ich! Ich zeige ihm, was eine Amsel ist. Darauf kannst du Federn rupfen!“

 

Am nächsten Tag schaute Papagei Fridolin auf seinen frisch mit Zeitungspapier ausgelegten Käfigboden und las: „Amselmännchen attackiert ohne Grund Anwohner. Dieser musste im Krankenhaus behandelt werden.“ Er sah nach oben und dachte: „Na endlich. Wird ja auch mal Zeit. Wir sollten das so machen, wie in diesem Hitchcock-Film, den meine Alte gestern Abend zum hundertsten Mal gesehen hat.“ Dann kletterte er auf die höchste Sitzstange in seinem goldfarbenen Käfig und rief so laut er konnte: „Los geht’s, los geht’s, los geht’s!“