Die Entscheidung
Thema:
Eine Geschichte über einen Sonnenuntergang.
Dramatischer Sonnenuntergang

Da saß ich nun, wie so oft, am Strand, auf meiner kleinen Decke, die ich mir wie immer mitgebracht hatte. Ich kam fast jeden Tag nach der Arbeit hierher, um den Kopf freizubekommen und um meine Gedanken zu neu ordnen.

Der Himmel war wolkenfrei an diesem Abend. Nicht mal ein wenig diesig war es. Und so konnte ich perfekt beobachten, wie die Sonne am Horizont ins Wasser eintauchte. Die funkelnde Straße, die zu hier führte, blendete mich, aber ich folgte ihr mit den Augen bis hin zu diesem immer wiederkehrenden, magischen Schauspiel.

Aber wohin genau führte dieser Weg aus Licht und den Reflektionen auf der im Wellenrhythmus tanzenden Wasseroberfläche? Sollte ihm einfach folgen? Was hatte ich hier? Einen unbedeutenden Job, der zwar Geld einbrachte, der mich aber jeden Morgen neu frustrierte, eine Wohnung, ein Auto, Essen auf dem Tisch: Ja, das alles hatte ich. Aber eine Familie, echte Freunde, Spaß am Leben? Nein, das alles gab es nicht. Ich existierte vor mich hin, wachte auf, arbeitete, aß, sah fern, ging schlafen. Am Wochenende las ich ein Buch oder ging spazieren.

Was hielt mich hier? Die Sturm-und-Drang-Jahre lagen bereits hinter mir, oder besser gesagt: Sie waren irgendwie verpufft. Aber es gab noch genug Zeit, die vor mir lag. Diese leuchtende Straße, würde sie mich herausführen aus meinem scheinbar unendlichen Alltagszirkel? Vielleicht weg von meiner Stadt, meinem Land, meinem Kontinent? Es war verlockend, ihr einfach zu folgen.

Ein paar Surfer versuchten die heute nur mäßig hohen Wellen zu reiten. Sie beachteten das hinter ihnen ablaufende Naturschauspiel gar nicht. Sie hatten Freunde am Wettstreit mit der Kraft des Wassers. Die Lichtstraße führte an ihnen unbemerkt vorbei, bis zu mir und noch weiter.

Hinter mir, da waren die Strandbars und Restaurants, die sich jetzt gegen Abend füllten. Die Musik wurde lauter, die Lebensfreunde, die während Tages in Form von Sonnenlicht getankt wurde, brach jetzt mehr und mehr heraus und übernahm die Kontrolle über die Abendstunden, fern jeder Sorge und Selbstzweifel.

Und ich saß genau auf dem Scheideweg. Also stand ich auf und sah zum Horizont, hinter dem die Sonne genau in diesem Moment komplett verschwunden war. Ich drehte mich um und sah die Menschen lachend und feiernd auf den Barhockern an den zahlreichen Tresen und Theken sitzend.

Dann nahm ich meine Decke und ging los.